Schon bald ist es soweit: Die andere Buchmesse in Tirol – Vol. 4 findet statt.

Am 16. September 2017 sind nicht nur die Hotelgäste, sondern auch alle externen Bücherwürmer im Theatersaal des Kinderhotels herzlich willkommen.

Kinderprogramm

15:00 Uhr – Eröffnung mit Musik von „Die Zeitvertreiber“

15:15 Uhr – Zaubershow mit Margit Kröll

16:00 Uhr – Theaterstück für Kinder von Nicole Engbers (Kindertheater „Die Rumpelkiste“ e.V.)

17:00 Uhr – Lesung ab 7 Jahre aus dem Buch „Katharina“ von Margit, mit Musik von „Die Zeitvertreiber“ (Anna-Maria, Katharina und Tobias)

18:00 Uhr – Pause

Erwachsenenprogramm:

19:00 Uhr – Phantastische Lesung mit Torsten Low

Ihr könnt euch außerdem auf Bücher unterschiedlichster Genre, und auf ein leckeres Kuchenbuffet freuen.

Der Eintritt ist wie immer frei.

Wir freuen uns schon!

Das war die andere Buchmesse Vol. 8

Nach vielen Chatterminen, haben wir (Torsten Low, Nicole Engbers und Margit Kröll) die bereits 8. Buchmesse auf die Beine gestellt. Da uns die Location vom letzten Jahr so gut gefallen hat, haben wir auch dieses Jahr den Festsaal des Bezirksamts Döbling gebucht.

Dieses Mal luden wir zwei Verlage ein, die ihre Bücher ausstellen durften und jeweils eine Stunde Lesezeit bekommen haben.

AndreBuchVerlag

ohneohren Verlag

Natürlich immer mit dabei: Torsten Low Verlag

Aylin Pritz hat ihre Bilder ausgestellt.

 

Das Programm:

 

Barbara vom AndreBuchVerlag begann mit der Eröffungslesung stellte hier die Kinderbücher aus dem Verlag vor.

 

 

 

Für gute Unterhaltung und sehr viel Publikum sorgte das Theater DIE RUMPELKISTE mit dem Stück „Frau Holle oder Maries arktische Reise“

 

 

Mit der Zaubershow beendete Margit Kröll das Kinderprogramm und  konnte dabei Kinder und Eltern zum Staunen bringen.

 

 

Andreas vom AndreBuchVerlag stellte seine Bücher für Erwachsene aus dem Verlag vor.

 

 

Danach präsentierte sechs Autoren aus dem ohneohren Verlag ihre Kurzgeschichten und Bücher.

 

 

Aus den letzten beiden Programmpunkt wurde einer gemacht.  David Sporrer begleitete die Lesung aus dem Verlag Torsten Low am Klavier.

 

 

Wir, das Team von „Das andere Buch“, wollen uns über die vielen Zuhörer bedanken, die dieses Jahr zu unserem Programm gekommen sind .
Auch über unseren treuen Fans, die uns seit der ersten Buchmesse besuchen, freuen wir uns jedes Jahr aufs Neue.

Phantastisches auf der ANDEREN BUCHMESSE

Seit der ersten „anderen Buchmesse“ gehört der letzte Programmpunkt der dunklen Phantastik aus dem Verlag Torsten Low. Ob Kettensägenlesung mit Schlachterschürze und Miniwürstchen oder sanfter Grusel DSCN9874 (1)mit pure Scandinavian-Pussy-Metal und Schokolade, ob Zombiegeschichten mit Hackfleischbällchen, Einhorngeschichten mit Wiener Kaffeehausmusik oder Steampunkstories mit Dampfzug-Keksen – beim traditionell letzten Programmpunkt werden oftmals Geschichten mit Musik und Essen verbunden.

Diesmal erzählt Torsten Low vom Madenheiligen, berichtet von einem Turm in einem Labyrinth und entführt die Zuhörer in die phantastischen Herbstlande.

 

Die ANDERE BUCHMESSE wächst!

Bei der 8. Ausgabe werden wir erstmals von mehreren Gastausstellern unterstützt. So freuen wir uns u.a. auf den Verlag ohneohren und seine Autorinnen.

Der Phantastik-Verlag macht aus außergewöhnlichen Geschichten feine Bücher – sowohl in E-Book-Form als auch gedruckt. Deutschsprachige AutorInnen unterschiedlicher Subgenres der Phantastik nehmen LeserInnen des Ohneohrigen mit auf eine Reise.

Das klassische Elfenohr – wie schon der Verlagsname andeutet – hat dabei ausgedient. Low Fantasy gehört ebenso zum Programm des Verlags wie Science-Fiction von Steampunk bis hin zu Dystopischem. Auch die Facetten Dark/Urban Fantasy und Humor/Satire haben ihr Zuhause in Wien, wo Bücher ohne Ohren, aber mit viel Begeisterung entstehen.

Was wird es zu hören geben?

  • Starke Frauen lesen – Autorinnen aus dem Verlag ohneohren
    Melanie Vogltanz und Jacqueline Mayerhofer lesen aus der Anthologie „Heimchen am Schwert“.
  • Veronika Lackerbauer verschlägt es als Besucherin aus Bayern mit ihrem Debüt „Burgfried“ nach Wien.
  • Karin Leroch (Kurzroman „Die Saat“) und Susanne Halbeisen (Anthologie „Der Dampfkochtopf“) beschließen die Lesung mit einer Prise Humor.

DIE ANDERE BUCHMESSE Vol. 8

26. Februar 2017
13-20 Uhr

Festsaal im Bezirksamt Döbling
Gatterburggasse 14
1190 Wien

Mehr Infos unter
https://www.facebook.com/events/356643331379619/

Die andere Buchmesse: Auch Kunsthandwerk findet bei uns Einlass.

Auf der ANDEREN BUCHMESSE werden zahlreiche Lesungen für den nötigen Ohrenschmaus sorgen.

Doch auch die Augen werden nicht zu kurz kommen:
Die Künstlerin Aylin Pritz stellt bei uns wieder ihre wunderschönen Bilder aus. Außerdem wird sie einiges an Kunsthandwerk (Schmuck, Schlüsselanhänger etc.) im Gepäck haben.

Kommet, staunet und stöbert!

DIE ANDERE BUCHMESSE Vol. 8

26. Februar 2017
13-20 Uhr

Festsaal im Bezirksamt Döbling
Gatterburggasse 14
1190 Wien

Mehr Infos unter:
https://www.facebook.com/events/356643331379619/

Auch im neuen Jahr gibt es „Die andere Geschichte“

Diesmal stammt die Geschichte zum Thema Heimat von unserer Gastautorin Barbara Scheck.

Fridolins neue Entdeckung

„Großmutter, wie habe ich mich erschreckt! Das hat aber eben gerumpelt draußen!“

Aufgeregt war er ins Haus gestürmt und umarmte sie furchtsam.

„Erst hat es so komisch geknirschelt, und dann – rums – hat der Boden unter meinen Füßen gewackelt. War das etwa ein Erdbeben?“

„Ach was, so lange ich hier schon lebe, hat es noch kein wirkliches Erdbeben gegeben!“, beruhigte sie den Jungen und strich durch seinen Haarschopf.

„Aber das war wirklich echt gruselig, Oma“, beteuerte der Kleine. „Da trau ich mich gar nicht mehr hinaus.“

Die Angesprochene legte das Geschirrhandtuch zur Seite, mit dem sie gerade noch den Abwasch hatte beenden wollen, und nickte.

„Gut, dann lass uns gemeinsam schauen, ob sich um unser Haus etwas verändert hat.“

Sie band ihre Schürze ab und nahm den Buben an ihre Hand. So fühlte er sich schon viel sicherer und ging mutig mit ihr vor die Haustür.

„Nun zeige mir einmal, wo du heute schon herumgestromert bist.“ Warm hüllte sie der Sommerwind ein, als sie langsam, Schritt für Schritt, dieses Gebiet durchforschten.

Tief holte sie Luft und meinte: „Riech nur, wie frisch es duftet, nachdem gestern das Gewitter die Schwüle der vergangenen Tage abgelöst hat.“

Ganz in Gedanken an das erschreckende Geschehen versunken, nickte er nur und starrte in die Richtung, aus der das  Rumpeln gekommen war.

„Da“, flüsterte er, „sieh dir nur diesen Baum an!“

Ihr Blick wanderte weiter zum Ende der kleinen Obstbaumwiese.

„Hm, ich sehe noch gar nichts, was sich verändert haben sollte“, murmelte sie vor sich hin.

Fridolin ergriff hastig ihre Hand und zog sie weiter zum Bachlauf hin.

„Hier wollte ich mein gebasteltes Holzfloß ins Wasser setzen.“ Gemeinsam überstiegen sie umherliegenden Äste und sahen gar nicht, dass diese wie zu einer kleinen Höhle zusammengeschoben waren.

Am Gewässerrand aber fiel ihr sofort etwas auf, das wirklich anders war. Sie lächelte in sich hinein und sprach leise, als wolle sie niemanden stören: „Ja, mein Junge, du hast ganz Recht. Hier ist etwas geschehen.“

Fragend schauten sie zwei große Augen an. ‚„Nun sieh einmal ganz genau hin: Dieser Baum stand gestern noch. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich denken, du hättest einen Weg gefunden, dieses kleine Gewässer zu überbrücken.“

„Ich?“ Kopfschüttelnd wies er den Gedanken von sich. „Nein, ich doch nicht, das musst du mir glauben!“

„Und ob ich dir glaube“, sprach die Großmutter, „denn das kannst du wahrlich nicht gewesen sein!“ Dabei wies sie auf das Ende des Stammes. „Schau nur, wie der aussieht. Eigentlich müsste hier doch…“

Aufgeregt unterbrach der Kleine seine Großmutter und rief: „…eine Wurzel dran sein, nicht wahr?!“

Langsam traten die beiden noch näher heran, und der Junge bestaunte das Ende des Baumes, um sogleich überrascht auf ein weiteres Wunder zu zeigen. „Guck mal, Oma, das sieht ja aus wie ein großer Buntstift, der in den Boden gesteckt wurde!“ – und zurückschauend auf den umgefallenen Baum: „Und der da auch, als hättest du einen Riesenanspitzer genommen, um einem Riesen einen Stift anzuspitzen!“

„Weißt du, dass du den Nagel auf den Kopf getroffen hast‚ wie man so schön sagt?“

„Wieso?“

„Es gibt hier wirklich ein Wesen, das so etwas vermag: Bäume anzuspitzen.“

„Sind wir jetzt gar in dem Märchenwald, von dem du mir immer aus deinen uralten Büchern vorliest?“

„Nun, es ist wirklich fast märchenhaft, was ich dir dazu erzählen kann“, stimmte sie zu, „aber dazu muss ich mich erst einmal setzen, denn das ist eine längere Geschichte.“

Gespannt suchte sich auch Fridolin einen bequemen Sitzplatz und lauschte ihren Worten.

 

Es ist schon eine Weile her, da meinten die Bewohner dieser Gegend, dass alles ihnen gehöre und sie es bis ins Kleinste auch ausnutzen, das Letzte aus dem Grund und Boden herausholen müssten … Doch dann kam die große Flut, die alles überschwemmte und mit sich riss, Bäume, Sträucher, Tiere und sogar Häuser … Manch ein Mensch wurde von den Wassermassen gepackt und ist darin ertrunken … Viele verloren all ihr Hab und Gut!

 

„Aber dir ist doch nichts zugestoßen, oder ? Auch das Haus steht noch und der alte Schuppen, die Heustadel haben auch nichts abbekommen?“

„Nein, denn dein Großvater war ein kluger Bauersmann. Er hatte von seinen Ahnen gelernt, mit der Natur im Einklang zu leben.“

„Was heißt das eigentlich: ,im Einklang zu leben‘?“

„Dann höre nur weiter gut zu.“

 

Während mancher nach der großen Flut aufgab, weil der Schlamm, den das Wasser mitbrachte, alles bedeckte und verschmutzte – Felder, Wiesen, Wälder und das Innere der Höfe – setzten sich Großvater und andere Interessierte zusammen, um einen Ausweg zu finden. Ihnen war nämlich aufgefallen, dass einige Gebiete kaum etwas abbekommen hatten, obgleich sie ähnlich hoch lagen. Und so brüteten und beratschlagten sie über den Fotos, die vor ihnen lagen. Nur der Alte, wie sie ihn liebevoll nannten, schwieg und lächelte in sich hinein.

 

„Warum hat er denn geschwiegen?“

Daraufhin stellte ihm die Großmutter eine Frage: „Erinnerst du dich noch daran, wie dein Vater dir verboten hat, die Ofentür anzufassen, wenn im Winter geheizt wurde?“

„Ja doch“, murmelte er verdrossen, „immer musste er nur meckern, alles war verboten und …“

„Genau“, erwiderte sie, „da hast du einfach mal nicht gehört …“

„Und da habe ich dann doch angepackt und mich arg verbrannt!“, kam es flüsternd aus seinem Mund. „Aber was hat denn das mit deiner Erzählung zu tun?“

So wie du erst einmal deine eigenen Erfahrungen sammeln musstest – du hast der Mutter später sogar gern beim Heizen geholfen, aber dich fortan geschützt – sollten die anderen eben selbst herausfinden, was sie falsch gemacht hatten!“

Sie schwiegen eine Weile vor sich hin, und jeder hing seinen Erinnerungen nach.

„Pst, da war doch was!“ Beide lauschten aufmerksam und sahen eine Bewegung in der Nähe des Wassers. Die Großmutter legte den Finger auf ihre Lippen und deutete auf ein paar schwankende Sträucher. Hinter einem Ast, über dem Wasser hängend, war ein Tier zu sehen mit einem pelzigen Köpfchen und einer glänzend schwarzen Nase. Es klammerte sich mit zierlichen kleinen Pfötchen fest, um an der Rinde zu nagen – in der Sonne sah man sogar die Nagezähnchen blitzen. Schwarze Knopfäuglein huschten geschwind hin und her, um die Umgebung im Blick zu behalten.

„Ohhhh, wie niedlich“, hauchte der Junge und wagte sich nicht zu bewegen. Auf einer gelben Schwertlilie, die ganz in seiner Nähe wuchs, ließ sich ein Trauermantel nieder und fand Gefallen an deren leicht schaukelnder Bewegung. Oma Fridas Augen hingen an diesem wunderschönen Schmetterling und glänzten vor Freude. In weiter Ferne war ein Specht zu hören; in diese Stille hinein aber platschte etwas ganz in der Nähe ins Wasser. Mit einem „Quaaaaack“ verscheuchte der kleine grüne Kerl alle Lebewesen in der Nähe.

Die beiden Bewunderer der Natur brachen in ein befreiendes Lachen aus.

„Wie schön ist es doch bei dir!“

„Das kannst du wohl zweimal sagen.“

„Ich will gar nicht mehr fort von hier.“

„Wer sich gut umschaut, entdeckt überall schöne Ecken“, mahnt sie leise, „Ecken, die man gut schützen muss, damit sich die Natur nicht eines Tages auf ihre Weise zu rächen beginnt …“

„Und wie ging es nun weiter mit der Geschichte?“

 

Alle, die bereit waren, ehrlich und offen aufzudecken, was in der Vergangenheit für Fehler gemacht wurden, erkannten die Gunst der Stunde. Jetzt war es endlich an der Zeit, etwas wieder gut zu machen. Längst hatte der eine oder andere festgestellt, dass es eine Vielzahl von Schmetterlingen, Käfern, Vögeln – eben Groß- und Kleingetier aus ihrer Kindheit – kaum oder nicht mehr gab. Gedanken darüber machte sich selten jemand. Wichtig waren zum Beispiel große Weide- und Ackerflächen, die bis an die von Menschen begradigten Flüsse reichten.

 

„Aber das braucht man doch für die Schafe und Kühe! Und dann die Felder für Getreide und so!“, warf Fridolin ein.

„Ja, genau das haben auch viele Menschen bekräftigt, und die Natur- und Umweltschützer hätten sie lieber vor die Tür gesetzt!“

„Warum konnten die sich denn nicht einigen?“

„Das ist eine gute Frage …“

„Immerhin fanden sie endlich zueinander, nachdem die Natur aufbegehrte.“

„Ach ja, erzähl weiter!“

 

Ein Umdenken hatte begonnen. Man sprach über Nachhaltigkeit und wieviel Geld ein Wiederaufbau von Biotopen kosten würde – und da kam dein Großvater ins Spiel. Er schlug vor, die Natur für sich arbeiten zu lassen. Alle blickten ihn verwundert, bestürzt oder auch nur mitleidig an. Als er aber davon berichtete, was er auf  seinem Land angesiedelt hatte, schwiegen sie ehrfurchtsvoll, denn sie kannten die wunderbaren Ländereien unserer Familie, die immer schöner wurden und inzwischen manchen Wanderer hier einkehren ließen.

 

„Lass mich raten!“

Zappelnd vor Aufregung erhob er den Finger, wie im Kindergarten, um etwas zu sagen: „Es ist das Tier, das wir gerade beobachtet haben?“

„Um genau zu sein: die vielen Tiere, die wieder zu uns zurück gefunden haben!“

Über das Gesicht Fridas zog ein helles Leuchten. „Du glaubst gar nicht, was du noch so alles hier bei uns entdecken kannst!“

„Aber wie heißt denn nun das Tier?“

„Es ist der Biber, der sich wieder hier heimisch fühlen kann. Er fällt Bäume, wie du gesehen hast, baut Burgen, gräbt Gänge …“

„Aber ist das nicht gefährlich für uns? Vielleicht gräbt er Tunnel unterm Haus, und dann stürzt es ein?!“

„Keine Angst, er hat genügend Platz. – Er braucht in Ufernähe nur zehn bis zwanzig Meter Raum, dann kommt er uns ‚nicht ins Gehege‘!“

„Aber was hat das mit Hochwasser zu tun?“

„Ach ja, richtig – dazu zeige ich die daheim einige Bilder. Da siehst du, wie der Biber in der Lage ist, Wasser zu stauen mit natürlichen Dämmen. Wie er verhindert, dass sich das Wasser wie ein Sturzbach viel zu schnell in das Tal ergießt. Seine Wasserwege sind verschlungen und zwingen das Wasser zu langsamer Gangart.“

„Und wenn doch mal wieder viel Wasser von den Bergen kommt?“

„Dann sind die Wiesen- und Sumpflandschaften rundherum gut geeignet, all dieses Wasser aufzunehmen.“

Auf Fridolins Stirn bilden sich Grübelfalten, doch dann lacht er auf. „Wenn wir also ihm sein Zuhause lassen und ihn schützen, macht er das auch für uns Menschen, richtig?!“

„Ganz richtig, mein Kleiner, wie klug du bist! Und wenn es genügend kluge Menschen gibt, dann leben wir alle wieder im Einklang mit der Natur!“

 

Über die Autorin:

…und nun zu mir:
Geboren und aufgewachsen 1950 in Cottbus.
Bücher sind, seit ich denken kann, mein ständiger Begleiter – wen wundert es, dass ich schon vor der Schule versuchte, die deutsche Schrift zu „lesen“, denn diese Art Literatur gab es am meisten zu Haus. So wurde „Deutsch“ mein Lieblingsfach und ich hatte Freude am „Schönschreiben“ und später an der Dichterei. Damit jedoch nicht genug, denn das Wort musste vorgetragen werden; so liebte ich die Rezitation und das Vorlesen und hatte großen Erfolg damit, setzte dieses Können später vielerorts auf der Bühne ein (Leitung der Studentenbühne in Halle/Saale; Mitglied bei den „schreibenden Studenten“; Mitarbeit im Theater der KSG ebendort). Nach Abschluss des Pädagogikstudiums war es für mich von besonderer Wichtigkeit, den Schülern (auch im Fachunterricht) ihre Muttersprache besonders nahe zu bringen und arbeitete später mit allen Altersgruppen ( ab zwei Jahre), um so zeitig wie möglich die Freude an der Literatur zu wecken.
Nach den vielen Wirrnissen des Lebens fand ich auf wundersame Weise den Weg zu einem Schriftsteller und dessen Verlag. Hier kann ich mich nun endlich entfalten (inbesondere als Lektorin), viel lesen und all die verschütteten Gedanken, Textfragmente und Erinnerungsfetzen sammeln, nach und nach zusammensetzen und  das beenden, was damals begann…an einem Ort, der kraftvoller nicht sein kann : Greith im Allgäu – und einem wunderbaren Partner an meiner Seite!
Barbara Scheck
Greith 8
87642 Halblech
017638841463

Das Programm für „Die andere Buchmesse Vol. 8“ steht fest

Wir haben wieder ein vielseitiges Programm zusammengestellt.
Ob Kind oder Erwachsen, ob Theaterfan oder Fantasyfan, hier ist für jeden etwas dabei:

Wann:
Sonntag, 26. Februar 2017
14:00-22:00 Uhr
Einlass ab 13:00 Uhr

Wo:
Festsaal des Bezirksamt Döbling
Gatterburggasse 14
1190 Wien

13:00 – 14:00 Ankommen, tratschen, stöbern


KINDERPROGRAMM

14:00 – 14:30 Eröffnungslesung »AndreBuchVerlag«

14:30 – 15:30 Kindertheater DIE RUMPELKISTE
»Frau Holle oder Maries arktische Reise«

15:30 – 16:00 Zaubershow mit Margit Kröll

ERWACHSENENPROGRAMM

16:30 – 17:00 Lesung »AndreBuchVerlag«

17:00 – 18:00 Lesung »ohneohren Verlag«

18:30 – 19:00 Konzert

19:00 – 20:00 Fantasy-Lesung »Verlag Torsten Low«

Änderungen vorbehalten

Auch dieses Jahr alles bei FREIEM EINTRITT!

 

Jahresrückblick 2016

Wir blicken auf ein erfolgreiches Jahr zurück:


28.02.2016 Die andere Buchmesse Vol. 7 in Wien


28.02.2016 Präsentation unseres Schülerprojekts zum Thema „Flucht“ bei der anderen Buchmesse Vol. 7 in Wien


24.06.2016 Präsentation des Spenden-E-Books „Komm schnell, Achmet“ in der Albert Magnus Schule in Wien.


04.07.2016 Nominierung für den deutschen Phantastikpreis von unserem Mitglied Torsten Low


13.08.2016 Die andere Buchmesse Vol. 3 in Tirol


13.08.2016 Zum ersten Mal mit Gastaussteller – AndreBuchVerlag – bei der anderen Buchmesse Vol. 3 in Tirol


14.08.2016 Der erste Ausflug des Teams von Das andere Buch am Achensee


18.10.2016 Spenden E-Book „Komm schnell, Achmet“ für den „goldenen Stephan“ in der Kategorie „beste Anthologie“ nominiert


28.11.2016 Zwei Kindergeschichten von Nicole Engbers zum Thema Weihnachten wurden im AndreBuchVerlag veröffentlicht

Passend zur Jahreszeit: Kindergeschichten rund um Weihnachten

hieronymus Eine gute Nachricht für alle Weihnachtsfans. Zwei von Nicoles Kindergeschichten rund um Weihnachten werden jetzt im AndreBuchVerlag neu aufgelegt.

Hieronymus ist enttäuscht und wird immer trauriger, denn seine handgezogenen Kerzen werden zusehends seltener gekauft, seitdem es elektronische Lichterketten und Geruchskerzen aus Metall gibt. Dann aber kommt Willi vorbei, dem angesichts der zahlreichen Kerzen ein Licht aufgeht …

Hieronymus’ Kerzenstube · 32 Seiten · € 4,90 (Deutschland) ·
ISBN 978-3-942468-39-5

 

weihnachtsgesetzWie man das Weihnachtsfest begehen sollte, sei durch das Weihnachtsgesetz festgelegt, erfährt Mia erstaunt. Und daraufhin macht sie sich auf die Suche, denn irgendwo muss es ja aufgezeichnet sein, jenes geheimnisvolle Gesetz. Eine unverhoffte Begegnung bringt sie bald auf eine heiße Spur.

Das Weihnachtsgesetz · 32 Seiten ·
€ 4,90 (Deutschland) ·
ISBN 978-3-942468-38-8

Beide Titel sind erschienen im AndreBuchVerlag.

Eine weitere andere Geschichte

Die dritte Geschichte zum Thema

Zuhause

kommt von Andreas H. Buchwald.

 

Heimat

Es gab eine Zeit, da wollte ich unbedingt wissen, was dieses Wort bedeutet. Die Leute redeten dies und jenes, doch nichts konnte mich zufrieden stellen, und so habe ich jeden Gedanken daran irgendwann aufgegeben. Mein Leben verlief eher holprig, wild, gefährlich und entbehrungsreich als glatt und schön, doch mit dem, was so viele Menschen ihr „Zuhause“ nennen, hatte das für meine Begriffe nie etwas zu tun.

Meine Eltern, die den großen Krieg noch erlebt hatten, waren aus einer Gegend gekommen, aus der man sie „vertrieben“ hatte, wie sie das nannten. Und ein paar Jahre lang waren sie von Ort zu Ort gezogen, weil man sie nirgends leiden mochte, bis sie sich in einer baufälligen Hütte einnisteten, die am Rand eines klitzekleinen Dorfes stand. Sie bot ihnen nur notdürftigen Wetterschutz, denn bei stärkerem Regen drang das Wasser durch beinahe alle Mauern, aber sie brauchten keinen einzigen Pfennig für die Miete zu berappen, ein Umstand, der ihnen sehr zupass kam, weil ihre finanziellen Mittel damals gegen Null gingen.

Ich war wohl ein Kindchen von drei oder vier Jahren zu jener Zeit, und meinen gelegentlich knurrenden Magen vergaß ich nach dem Sattwerden ebenso schnell wie die Tatsache, dass ich in Kleidungsstücken umherlief, die notdürftig geflickt waren und keinerlei Modeanspruch genügten. Und indem ich unmerklich aufwuchs, bekam mein Vater Arbeit, meine Mutter gute Nachbarinnen und ich mehrere Geschwister. Wir wurden reicher, die Schäden an der Hütte konnten so gut ausgebessert werden, dass das Endergebnis fast schon die Bezeichnung „Haus“ verdiente, und ich begann, mich wenigstens in dem neu gestalteten Wohnzimmer kuschelig zu fühlen. Die Nische aber, in der ich nachts neben einem meiner Brüder schlafen musste, blieb kalt und unbehaglich und bescherte mir gruselige Träume.

Bald ging ich in die Schule und schlug mich dort tapfer, obwohl mir meine Kameraden heftig zusetzten, denn ich trug immer noch schadhafte Hosen und bekam zu Weihnachten nur gebrauchte Bücher geschenkt und keine ferngesteuerten Traktoren. Der Mensch gewöhnt sich irgendwann an alles, und so gelang es auch mir, all die glücklichen und weniger glücklichen Umstände im Bewusstsein ihrer Unabänderlichkeit hinzunehmen. Auf diese Weise begann ich sogar das Dorf, in dem ich lebte, zu mögen.

Dennoch sehnte ich mich nie nach Hause oder schluchzte mich in den Schlaf, wenn ich ein paar Tage fern von meinen Eltern und Geschwistern in einem Ferienlager zubrachte. Viele Kinder quälten sich damit, und die Erwachsenen nannten diese Krankheit „Heimweh“, worüber ich nicht wenig staunte und auch Jahre später noch den Kopf schüttelte. Zu Hause – das war einfach nur Alltag. Dort hätten sie mir tausend Arbeiten aufgehalst, mich nicht in Ruhe lesen lassen. Mir ging es wahrlich besser, wenn ich woanders war.

Im Älterwerden lernte ich zahlreiche Karten- und Maskenspiele und wie wichtig es war, Feinde zu besitzen. Ohne Feinde hätte ich nicht fühlen können, dass ich lebe, hätte mein Dasein keinen Sinn gehabt. Selbst in meinen Büchern kämpften Weiße gegen Indianer, Katholiken gegen Protestanten, Sheriffs gegen Banditen oder Revolutionäre gegen die Bourgeoisie. Manchmal ging es um „Verteidigung der Heimat“, und ich stellte mir vor, dass eine dunkle Armee von Bösewichtern unser kleines Dorf vernichten wollte. Selbstverständlich hätte auch ich mich ihnen entgegengestellt und an der Seite meiner Nachbarn bis zum letzten Blutstropfen gekämpft. Tatsächlich aber hatten einige meiner Schulkameraden nur zwei Banden gebildet, die sich mit Stöcken und Zündplättchenpistolen bekriegten oder versuchten, die jeweiligen Geheimverstecke, die sich in verschiedenen Scheunen befanden, zu entdecken und zu zerstören. Ihnen konnte ich nicht ausweichen; Neutralität hätte mich zum Freiwild für sie alle gemacht, und so fügte ich mich ihren Kriegsspielen und nahm Partei. Dennoch wusste ich immer instinktiv, dass auch die Gegenbande ihre Existenzberechtigung besaß und die unsrige keinen Deut höher auf der Moralskala stand.

Irgendwann aber kam der Tagebau. Es hieß, unter dem Dorf befände sich Braunkohle, der wichtigste Rohstoff unseres Landes, und es gebe keine Alternative. Diesen Schatz mussten sie aus der Erde wühlen. Die Häuser und Menschen störten dabei und sollten verschwinden. Mein Vater wie auch meine Mutter sahen mit einem Schlage abgehärmt und finster aus.

„Nun verlieren wir unsere Heimat zum zweiten Mal“, sagten sie.

Für mich klang das bedrohlich und sehr bitter, und ich bekam es mit der Angst zu tun. Trotzdem wusste ich inzwischen, dass es überall Häuser gab, in denen man wohnen konnte. Wir würden unsere Möbel, Bücher und Töpfe und all den anderen Klimbim nehmen und in ein anderes Haus an einem anderen Ort schaffen. Das Dorf war beileibe nicht der Nabel der Welt.

Nachdem sechs oder sieben weitere Jahre vergangen waren, existierte es nicht mehr. Es würde auch niemals wieder aufgebaut werden. An seiner Stelle gähnte ein gewaltiges Erdloch, das sich entweder irgendwann mit Wasser, vielleicht aber auch nur mit Müll und Unrat füllen würde. Meine Eltern, die nunmehr am Rande einer großen Stadt wohnten, jammerten fast jeden Tag darüber, dass sie zum zweiten Mal aus ihrer „Heimat“ vertrieben worden wären und sehnten sich ihrem Grab entgegen. Zwei unserer ehemaligen Nachbarn hatten sich sogar erhängt.

Anfangs machte ich mir wenig daraus, hatte bestenfalls ein Schulterzucken für all diese Geschehnisse übrig. Einer geregelten Arbeit ging ich nun nach, hatte geheiratet und war Vater eines Töchterchens, und unsere Mietwohnung enthielt alles, was ich zum Wohlfühlen brauchte. Nach unserem zweiten Kind schafften wir uns obendrein einen Fernseher an, um ein drittes leichter vermeiden zu können, und fanden in den flimmernden Bildern genügend Ablenkung und Trost, um nicht darüber nachdenken zu müssen, ob uns etwas fehlte und ob dieses Etwas vielleicht sogar mit jener merkwürdigen „Heimat“ zusammenhing, für die mir noch keiner eine schlüssige Definition hatte liefern können.

Immerhin begann ich, sehnsuchtsvoll an jenes Dorf zu denken, sobald ich mich mit meiner Frau gestritten oder schlecht geschlafen hatte. Und ganz besonders während meiner Armeezeit. Aber ich wusste sehr gut, dass dieses Kapitel meines Lebens ein für allemal abgeschlossen war.

Nach einigen weiteren Jahren überschlugen sich die Ereignisse und aus unserem lange getrennten Land wurde wieder ein einziges. Die Menschen hatten Freudentränen in ihren Augen und umarmten ein-ander. In Festreden sprachen sie von „Heimat“ und dass zusammenwachsen müsse, was zusammen gehöre. Ich blieb vorsichtig, denn mir war unklar, was sie meinten. Weder hatte noch kannte ich eine Heimat, sondern nur den Unterschied von Alltag und Abenteuer.

Und als ich dann unversehens meine Arbeit verlor, wählte ich das letztere und begann, das zu tun, wovon ich ein Leben lang geträumt hatte. Darüber verlor ich Familie, Haus und Geld, nährte mich von Zufällen und der Hilfe barmherziger Zeitgenossen, zog umher wie ein Zigeuner und bildete mir manchmal ein, dass plötzlich die ganze Welt mein Feind geworden sei. Ich verfluchte sie von Herzen und gab ihr die Schuld daran, dass ich keine Heimat hatte, und dabei wusste ich nicht einmal, was eine solche bedeutet hätte.

Nun heißt es, es gebe Schutzengel und zahlreiche gute Geister, und ich muss gestehen, dass auch ich an derartige Wesen zu glauben begann, denn immer, wenn ich nicht weiter wusste, begegnete mir eines von ihnen. Nur so kann ich mir erklären, dass die Freude zu mir zurückkehrte und all meine Vorhaben segnete, dass mir die Liebe meines neuen Lebens begegnete und mich in eine Gegend verschlug, deren Schönheit mir vom ersten Augenblick an den Atem raubte.

Wiederum geschahen seltsame Dinge. Da in der Welt nicht weniger, sondern mehr Kriege tobten, kamen Menschen von weither, um sich in unserem Land niederzulassen. In den Straßenschluchten der Städte erklangen andere Sprachen, unter schlampig übergeworfener Kleidung steckten andere Hautfarben und hinter Häuserwänden wurden fremdartige Bräuche gepflegt. Dunkle Augen wandten sich ab, wenn man ihnen begegnete, und verbargen Trauer, Zorn und geheime Wünsche. Am Anfang regte sich niemand darüber auf, doch als mit einem Schlag immer mehr Einwanderer kamen und sich ihr Zustrom zu einer Flutwelle steigerte, entflammten wilde Streitereien darüber, ob man ihnen weiterhin Zuflucht gewähren sollte oder sich vor ihnen schützen müsse. Immerhin sei ihnen nichts Anderes übrig geblieben als ihre Heimat zu verlassen, da dort täglich Bomben fielen. Flüchtlinge seien sie wie einst meine Eltern, und wir alle hätten die Aufgabe, ihnen zu helfen.

Ich konnte zu dem allen nicht viel sagen. Zu dem, was meine Eltern mir berichtet hatten, entdeckte ich kaum Ähnliches. Und selbst, hatte ich jemals eine Heimat gehabt, ein Zuhause? Hatte ich etwa jetzt eines, nur weil es mir gefiel, an einem Ort zu wohnen, dessen Schönheit mich noch immer täglich überwältigte? Und wäre jenes verschwundene Dorf einst Heimat gewesen, so hätte ich sie – ohne Krieg und Bomben – für immer und ewig verloren und könnte nie mehr dorthin zurück. Im Gegensatz zu meinen Eltern, die die ursprünglichen Plätze ihrer Kindheit aufsuchen konnten, sobald sie wollten, obwohl sie lieber davon Abstand nahmen.

Kann ein Land eine Heimat sein? Für manche vielleicht. Ich liebe eher die Sprache, die vertrauten Worte, jene, die Mutter benutzte, die mich lehrte, sie auszusprechen. Und weil ich das nie verhehlte, setzte man mich ein, um dieselben Worte den Neuankömmlingen beizubringen, den Menschen, die sie verdrehten, verfärbten, entstellten und so haarsträubend betonten, dass man sie kaum noch wiedererkennen konnte.

Sie kamen aus den verschiedensten Ländern. Manche von ihnen konnten weder schreiben noch lesen. Sie erhofften sich schier Unmögliches oder nur ein friedliches Leben. Und ich konnte nicht umhin, sie zu mögen.

Vielleicht gelang es mir, ihnen etwas beizubringen. Oftmals aber war es so, dass ich selbst von ihnen lernte.

Mit Händen, Füßen, Augen, ja dem ganzen Körper sprachen wir miteinander. Wer dann schnelle Fortschritte machte und im Handumdrehen so weit war, dass er sich mit mir nahezu fließend über alle erdenklichen Umstände unterhalten konnte, bescherte mir neue Erkenntnisse, Staunen, Schrecken und Kopfschütteln. Und unvoreingenommene Freundschaft.

„Wie war denn deine Flucht?“, wagte ich es nach Wochen endlich, Imad zu fragen, einen heiteren Computerspieler aus Damaskus.

Mit unterdrückter Stimme und nachdem er sich vorsichtig nach Mithörern umgesehen hatte, antwortete er: „Ein Picknick. Ohne Frau und Kinder ist leicht so was.“

Also kein Drama, keine Katastrophe? Mein Weltbild, das ohnehin noch nie gefestigt war und sich noch immer teilweise aus den Berichten des Fernsehens nährte, wankte von neuem.

„Bei uns sagen sie alle: Geh nach Deutschland!“, klärte mich Imad auf, ohne dass ich hätte in ihn dringen müssen. „Ist das Beste so, gibt dort Arbeit, gibt Geld, kannst bald kaufen Auto. Unser Land kaputt, keine Chance, verstehst du? Wir gehen, alle gehen, wer kann. Brauchst du kleines Geld und musst sein gesund, dann kann gehen.“

„Aber bist du nicht Muslim?“, hakte ich nach. „Hättest du nicht besser nach Saudi-Arabien gehen können, auch ein reiches Land, aber eines, in dem sie deine Sprache sprechen und deine Religion leben? Und sehr nahe an Syrien, sodass du nicht weit weg wärst von deiner Heimat.“

Er lächelte so, dass ich mich wie ein dummes Kind fühlte.

„Arabien ist zu“, beschrieb er achselzuckend. „Lassen keinen rein da. Wollen niemand aus Syrien. Europa ist offen und besser. Ja, ich bin Muslim, aber du siehst, was sie tun. Mit ihre Brüder. Sie wollen sie nicht.“

Er machte eine Pause und sah sich um. Seinen Kopf in Richtung meines Ohres schiebend, noch leiser, fuhr er fort: „Ich will nicht so wie die. Will keinen Ramadan, will nicht, dass Frau Angst hat vor mir, will nicht den ganzen Tag immer nur beten. Will gute Arbeit, will Spaß, will leben wie Deutsche.“

„Und deine Heimat?“

„Deutschland meine Heimat“, sagte er, und es klang fast triumphierend.

„Ich weiß nicht mal, ob es meine ist“, rutschte es aus mir raus, und ich sah, wie er stutzte und sich fragte, ob er es richtig verstanden habe.

Viele, viele Geschichten bekam ich zu hören. Kaum eine davon stimmte mit dem überein, was ich über das Fernsehen oder aus der Zeitung erfuhr, von Journalisten, die die Dinge wahrscheinlich von einem Elfenbeinturm aus betrachteten und sie auf bestürzende Weise tiefschwarz oder strahlendweiß anstrichen.

Imad hingegen wurde zu einem Freund, wie ich kaum einen je gehabt hatte, obwohl er deutlich jünger war und ich glaubte, es wäre besser, wenn er von mir ein wenig Lebenserfahrung annehmen würde statt umgekehrt.

„Am Sonntag ist Wahl bei euch“, sagte er eines Tages zu mir und lachte, als ich zusammenzuckte. „Welche Partei wirst du wählen?“

„Am liebsten gar keine“, antwortete ich betreten. „Oder eine von den ganz kleinen, da kann man nichts falsch machen.“

„Warum du nicht wählst AEffDee?“, setzte er sein halb ernstes, halb amüsiertes Verhör fort. „Warum?“

„Da würden sie mich hier rauswerfen, wenn sie es erfahren“, erwiderte ich ausweichend. „Außerdem glaube ich wirklich nicht, dass gerade diese Quertreiber alles besser machen. Politiker halten sowieso nie, was sie versprechen …“

„Bist du mein Freund?“, drang er in mich. „Bist du das?“

„Was hat das damit zu tun?“

„Wenn du mein Freund bist, wählst du AEffDee“, erklärte er bestimmt und beinahe streng.

Ich verstand die Welt nicht mehr.

„Wieso? Die sind doch gegen euch, oder etwa nicht?“

Da senkte er die Stimme von neuem.

„Sie sind die einzigen, die nicht mögen Islam“, flüsterte er. „Ich bin weggegangen auch wegen Religion. Islam wird alle töten, das macht Islam auch in Syrien. Und bald Deutschland, du wirst sehen. Ich mag nicht Islam, und ich kann nicht wählen, aber wenn du bist mein Freund …“

„Du verstehst nicht alles“, widersprach ich. „Es ist nicht so, wie du denkst …“

„Ist nicht so, wie du denkst“, beharrte er. „Wähl’ AEffDee, bitte! Für mich!“

Was bildete er sich ein zu wissen? Hatte er das Parteienangebot gründlich studiert, oder sprachen sich gewisse Dinge unter seinesgleichen herum?

Natürlich gehorchte ich ihm nicht und machte am folgenden Sonntag mein Kreuzchen bei einer „Anderen“. Glücklicherweise fragte er mich später nicht noch einmal danach, und ich muss zugeben, dass ich tatsächlich davor Angst hatte.

Bald aber geschah etwas, das mich noch weit mehr verstörte.

Ich schlief schon, als Imad eines Abends an meiner Wohnungstür Sturm klingelte.

„Was ist los?“, fuhr ich ihn ein wenig aufgebracht an. „Weißt du, wie spät es ist?“

„Viertel nach elf“, erwiderte er, und ich merkte, wie er sich zur Ruhe zwang. „Aber du mein Freund, du mir helfen, bitte!“

„Was brauchst du, was ist passiert?“

„Muss schlafen woanders, vielleicht bei dir“, stieß er gepresst hervor. „Sie haben mich gedroht, wollen töten, ich weiß nicht …“

„Was, wie, wer?“

Allmählich verstand ich, weshalb er gekommen war. In dem Heim, in dem er ein Zimmer mit fünf anderen Syrern teilen musste, waren seine Landsleute über ihn hergefallen, weil sie gemerkt hatten, dass er nie betete. Da er saftig zurückschlagen konnte, mieden sie jeglichen Faustkampf, aber zwei von ihnen hatten sich inzwischen Messer besorgt und damit gedroht, ihn zu erstechen. Abgesehen davon, dass sie sein Bett vorerst unbrauchbar gemacht hatten.

„Sie haben gepisst und geschissen darauf, verstehst du?“, hielt er mir zornig vor. „Ich bin Kuffar für die. Sie wissen, dass ich nicht beten.“

Seufzend stand ich eine Weile da und überlegte. Dann bat ich ihn zu uns herein, und wir besprachen die Angelegenheit gemeinsam mit meiner Liebsten. Am Ende bettete sich Imad auf unsere Wohnzimmercouch und strahlte uns beide dankbar an.

„Du wirklich Freund, ich wusste schon!“

„Du hast eben keine Heimat, genau wie ich selber“, antwortete ich nachdenklich. „Deutschland ist kompliziert, vielleicht hast du dich getäuscht.“

„Ihr seid nur …“ – er zögerte ein wenig – „… dumm.
Nicht alle, nicht du, aber viele. Ich auch dumm, weil denken, Deutschland besser.“

„Ich kann nicht alles so tun, wie du es dir vorstellst“, sagte ich. „Aber ich ahne, wie es in dir aussieht. Du gehörst nirgends hin, hast eigentlich kein Zuhause, keine Heimat, und mir geht es genau so.“

„Deine Wohnung schön“, erwiderte er. „Keine Heimat?“

„Weiß nicht. Du kannst jederzeit nach Damaskus zurück, wo du als Kind schon lebtest. Ich aber kann niemals mehr an meinen Kindheitsort zurück. Es gibt ihn nicht mehr.“

„Ich gehe nicht zurück nach Damaskus.“ Er seufzte. „Sie sprechen arabisch da, aber ich gehe nicht. Sprache von Heimat ist hier.“

Bei diesen Worten legte er seine rechte Hand auf seine Herzgegend.

„Aber …“, wollte ich einwenden, doch er unterbrach mich.

„Du sprichst Sprache von Heimat“, stellte er zufrieden fest. „Sprache von hier.“

Wiederum klopfte er auf seine Brust.

Und ich saß da und sah in die Augen meiner Liebsten und konnte nicht länger gegen meine Tränen kämpfen.

Imad hatte recht.

Ich war angekommen.

In meinem Zuhause.

 

 

Über dem Autor:

Was die Schriftstellerei betrifft, so bin ich ein reiner Autodidakt.  1957 als Sohn eines Rinderzüchters geboren und in einem der für die Braunkohle abgebaggerten Dörfer im Südraum Leipzigs aufgewachsen, las ich für mein Leben gern und schrieb im Deutschunterricht der Schule Aufsätze, die meine Lehrerin sammelte. In der Befürchtung, in der sozialistischen DDR nicht schreiben zu dürfen, was ich hätte schreiben wollen, verzichtete ich indessen auf eine konsequent literaturbestimmte Laufbahn, sondern näherte mich dem Buch auf Umwegen, indem ich eine Schriftsetzer-Lehre absolvierte und viele Jahre lang in diesem Beruf arbeitete. Erst die Arbeitslosigkeit, die mich im Jahr 2000 ereilte, brachte mich dazu, endlich mit dem Schreiben zu beginnen, obwohl ich meinen Lebensunterhalt nur zu oft mit Zusatz- oder Nebentätigkeiten bestreiten musste. So entstand zwischen August 2000 und April 2002 der erste Roman der Trilogie Die Kohle ist es nicht allein…  (nach Herausgabe des vierten Zyklus-Romans in Die Kohle Saga umbenannt) unter dem Titel Stiefel Stuben Stoppelfelder. Dieses und die darauf folgenden Werke wurden zunächst im Leipziger Engelsdorfer Verlag veröffentlicht. Da ich jedoch insgesamt die Erfahrung machte, dass es für Quereinsteiger nicht leicht ist, die konventionellen Wege der etablierten Literaturszene zu beschreiten, begab ich mich auf einen außerordentlich abenteuerlichen Weg, der mir nicht nur unzählige unterschiedliche Erfahrungen in fast allen Lebensbereichen bescherte, sondern mindestens ebenso viele Inspirationen für neue Romane und Erzählungen. Im Laufe weniger Jahre schrieb ich sämtliche derzeit vorliegenden Werke nieder, die ich seit 2010 in dem kleinen AndreBuchVerlag Stück für Stück veröffentliche, tatkräftig unterstützt von einem wachsenden Netzwerk von Freunden und begeisterten Lesern.

Seit 2015 wohne ich gemeinsam mit meiner Partnerin in Greith, Gemeinde Halblech, im Ostallgäu.